Growth Mindset bei Kindern fördern: So stärkt ihr euer Kind

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Growth Mindset bei Kindern fördern

Wie Wachstumsdenken euer Kind stärker, mutiger und lernfreudiger macht

📖 9 Min. Lesezeit 🎓 Bildung & Lernen 📅 20.02.2026

Warum geben manche Kinder bei der kleinsten Hürde auf, während andere mit Begeisterung weitermachen? Die Antwort liegt häufig im sogenannten Growth Mindset. Forschungen der Stanford-Psychologin Carol Dweck zeigen, dass Kinder mit einem Wachstumsdenken motivierter lernen, resilienter mit Rückschlägen umgehen und langfristig bessere schulische Leistungen erzielen. Wie ihr als Eltern das Growth Mindset bei Kindern gezielt fördern könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

🧒 Was ist ein Growth Mindset? Definition und Bedeutung

Der Begriff Growth Mindset (auf Deutsch: Wachstumsdenken oder dynamisches Selbstbild) geht auf die Psychologin Carol Dweck zurück, die seit den 1990er-Jahren an der Stanford University zu den Überzeugungen von Menschen über ihre eigenen Fähigkeiten forscht. Dweck unterscheidet zwei grundlegende Denkweisen: das Fixed Mindset (statisches Selbstbild) und das Growth Mindset (dynamisches Selbstbild). [1]

Kinder mit einem Fixed Mindset glauben, dass Intelligenz und Talente angeboren und unveränderlich sind. Wenn sie an einer Aufgabe scheitern, interpretieren sie das als Beweis dafür, dass sie einfach nicht schlau genug sind. Kinder mit einem Growth Mindset hingegen sind überzeugt, dass sie durch Übung, Anstrengung und gute Strategien dazulernen und besser werden können. Fehler sehen sie nicht als Beweis des Scheiterns, sondern als normalen Teil des Lernprozesses.

? Was bedeutet Growth Mindset?

Growth Mindset beschreibt die Überzeugung, dass Fähigkeiten und Intelligenz nicht festgelegt sind, sondern durch Einsatz, Übung und die richtigen Strategien wachsen können. Das Gegenteil, das Fixed Mindset, geht davon aus, dass Talent angeboren und kaum veränderbar ist. Diese Denkweisen beeinflussen maßgeblich, wie Kinder mit Herausforderungen, Fehlern und Lernsituationen umgehen.

Entscheidend ist: Ein Growth Mindset bei Kindern entsteht nicht von allein. Es wird stark durch die Sprache, das Feedback und das Vorbild der Bezugspersonen geprägt. Wie Eltern und Lehrkräfte über Fehler sprechen, wie sie Erfolge bewerten und welche Erwartungen sie kommunizieren, all das beeinflusst das Selbstbild eines Kindes nachhaltig. [1]

🔬 Was die Forschung zeigt: Growth Mindset und Lernerfolg

Die positiven Auswirkungen eines Growth Mindsets auf den Lernerfolg von Kindern sind durch zahlreiche Studien belegt. Eine der einflussreichsten Untersuchungen stammt von Blackwell, Trzesniewski und Dweck aus dem Jahr 2007. In einer Längsschnittstudie mit 373 Siebtklässlern zeigte sich, dass Kinder, die an die Formbarkeit ihrer Intelligenz glaubten, über zwei Schuljahre hinweg eine aufsteigende Notenentwicklung hatten. Kinder mit einem Fixed Mindset hingegen zeigten einen stagnierenden Notenverlauf. [3]

Noch beeindruckender sind die Ergebnisse des National Study of Learning Mindsets: In dieser groß angelegten Studie, veröffentlicht 2019 in der Fachzeitschrift Nature, erhielten über 12.000 Neuntklässler an US-amerikanischen Schulen eine kurze Online-Intervention von weniger als einer Stunde Dauer. Die Intervention vermittelte, dass geistige Fähigkeiten entwickelt werden können. Das Ergebnis: Leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler verbesserten ihre Noten messbar, und insgesamt meldeten sich mehr Jugendliche für anspruchsvollere Mathematikkurse an. [4]

WUSSTET IHR?

Laut der internationalen PISA-Studie 2018 erzielten Schülerinnen und Schüler mit einem Growth Mindset im OECD-Durchschnitt 31 Punkte mehr im Lesen, 27 Punkte mehr in den Naturwissenschaften und 23 Punkte mehr in Mathematik als Gleichaltrige mit einem Fixed Mindset. [6]

Auch die OECD bestätigte anhand der PISA-2018-Daten, dass ein Growth Mindset mit höherer Lernmotivation, stärkerer Selbstwirksamkeit und geringerer Versagensangst zusammenhängt. Besonders bemerkenswert: Der positive Zusammenhang zwischen Wachstumsdenken und schulischer Leistung war bei benachteiligten Schülerinnen und Schülern sogar stärker ausgeprägt als bei sozial besser gestellten. [6]

💬 Kinder richtig loben: Prozesslob statt Personenlob

Einer der wirkungsvollsten Hebel, um ein Growth Mindset bei Kindern zu fördern, ist die Art und Weise, wie Eltern ihre Kinder loben. Die Forschung zeigt klar: Nicht jedes Lob wirkt gleich. In einer wegweisenden Studie von Mueller und Dweck aus dem Jahr 1998 wurden Fünftklässler nach einer erfolgreichen Aufgabe auf zwei verschiedene Arten gelobt. Eine Gruppe hörte: „Du bist wirklich schlau." Die andere Gruppe bekam zu hören: „Du musst dich wirklich angestrengt haben." [2]

Das Ergebnis war eindeutig: Kinder, die für ihre Intelligenz gelobt wurden, wählten anschließend einfachere Aufgaben, zeigten nach einem Misserfolg weniger Ausdauer, weniger Freude und schlechtere Leistungen. Kinder, die für ihre Anstrengung gelobt wurden, suchten dagegen gezielt nach herausfordernden Aufgaben, blieben nach Rückschlägen motiviert und verbesserten ihre Leistungen. [2]

Lob im Vergleich: Prozesslob vs. Personenlob
Prozesslob (Growth Mindset)
  • „Du hast dir wirklich Mühe gegeben!"
  • „Tolle Strategie, das so anzugehen."
  • „Du bist drangeblieben, obwohl es schwer war."
  • „Ich sehe, wie viel du geübt hast."
Personenlob (Fixed Mindset)
  • „Du bist so schlau!"
  • „Du bist ein Naturtalent."
  • „Das kannst du einfach gut."
  • „Du bist eben ein Mathe-Typ."

Besonders eindrucksvoll ist eine Langzeitstudie von Gunderson und Kolleginnen aus dem Jahr 2013. Die Forscherinnen beobachteten Eltern-Kind-Interaktionen zu Hause, als die Kinder zwischen 14 und 38 Monaten alt waren. Fünf Jahre später zeigte sich: Kinder, deren Eltern im Kleinkindalter überwiegend Prozesslob verwendet hatten (also Lob für Anstrengung und Strategien), hatten mit sieben bis acht Jahren ein deutlich stärkeres Wachstumsdenken und eine höhere Bereitschaft, sich Herausforderungen zu stellen. [5]

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Tipp: Versucht beim nächsten Mal, statt „Du bist so schlau" lieber zu sagen: „Du hast da eine richtig gute Strategie gefunden" oder „Ich sehe, wie sehr du dich angestrengt hast." So signalisiert ihr eurem Kind, dass Anstrengung der Schlüssel zum Erfolg ist, nicht angeborenes Talent.

🏠 Growth Mindset im Familienalltag: Praktische Tipps

Neben der richtigen Art des Lobens gibt es weitere alltagstaugliche Wege, das Growth Mindset bei Kindern zu stärken. Entscheidend ist, dass Kinder in ihrer Familie erleben, dass Lernen ein Prozess ist, der Fehler einschließt und Anstrengung wertschätzt.

Ein besonders wirkungsvolles Werkzeug ist das kleine Wörtchen „noch". Wenn euer Kind sagt „Ich kann das nicht", ergänzt die Antwort einfach um dieses Wort: „Du kannst das noch nicht." Dieser kleine sprachliche Unterschied verschiebt den Fokus vom Scheitern hin zur Möglichkeit, dass sich Fähigkeiten mit der Zeit entwickeln. Dweck betont, dass dieses „noch" bei Kindern messbar die Ausdauer und das Zutrauen in die eigene Lernfähigkeit steigert. [1]

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Wenn Eltern ihrem Kind ein Geschenk machen wollen, ist das Beste, was sie tun können, ihm beizubringen, Herausforderungen zu lieben, sich für Fehler zu begeistern und Freude an Anstrengung zu haben.

Carol Dweck, Professorin für Psychologie, Stanford University

Ebenso wichtig ist, dass ihr als Eltern selbst ein Growth Mindset vorlebt. Wenn ihr offen sagt: „Das habe ich noch nie gemacht, aber ich probiere es aus" oder „Da habe ich einen Fehler gemacht, und das habe ich daraus gelernt", spüren Kinder, dass Wachstum normal ist und zum Leben dazugehört. Fragt beim Abendessen nicht nur nach der Note, sondern auch: „Was hast du heute Neues ausprobiert?" oder „Wobei bist du heute drangeblieben, auch wenn es schwierig war?" Solche Fragen signalisieren, dass der Lernprozess wichtiger ist als das Ergebnis.

Die Interventionsstudie von Blackwell, Trzesniewski und Dweck zeigte, dass bereits eine kurze Vermittlung der Idee, das Gehirn funktioniere wie ein Muskel und werde durch Anstrengung stärker, die Motivation und den Leistungsverlauf von Schülerinnen und Schülern positiv verändern konnte. [3]

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Tipp: Erklärt eurem Kind altersgerecht, dass das Gehirn wie ein Muskel funktioniert: Je mehr es gefordert wird, desto stärker wird es. Wenn euer Kind eine schwierige Aufgabe löst, könnt ihr sagen: „Weißt du was? Dein Gehirn ist gerade ein Stückchen gewachsen, weil du dich so angestrengt hast."

🧪 Gemeinsam entdecken: Wie Experimentieren das Wachstumsdenken stärkt

Ein Growth Mindset lebt davon, dass Kinder erleben: Durch eigenes Ausprobieren, Beobachten und Nachdenken komme ich weiter. Genau diese Erfahrung machen Kinder besonders intensiv, wenn sie gemeinsam mit ihren Eltern kleine naturwissenschaftliche Experimente durchführen. Denn beim Experimentieren gibt es kein „richtig oder falsch" im klassischen Sinn. Es geht um das Beobachten, das Staunen und das schrittweise Verstehen, also genau um den Prozess, der das Wachstumsdenken fördert.

Die Forschung bestätigt diesen Zusammenhang: Ein systematischer Review zu MINT-Lernansätzen in der Vor- und Grundschule zeigt, dass inquiry-based Learning (forschendes Lernen) bei Kindern nachweislich die Kreativität, das vernetzte Denken und die Problemlösefähigkeiten stärkt. [7] Wenn Kinder selbst Fragen stellen, Hypothesen aufstellen und dann ausprobieren, trainieren sie genau die Haltung, die ein Growth Mindset ausmacht: Neugier, Ausdauer und die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.

Im Alltag kann das ganz unkompliziert aussehen: Ein Experiment mit Wasser und Spülmittel, das Beobachten einer Pflanze über mehrere Tage oder das gemeinsame Erforschen, warum der Himmel blau ist. Entscheidend ist nicht das Ergebnis, sondern dass euer Kind erlebt: „Ich kann Dinge herausfinden. Ich kann Fragen stellen und Antworten entdecken." Diese Selbstwirksamkeitserfahrung ist eine der stärksten Grundlagen für ein stabiles Wachstumsdenken.

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❓ Häufige Fragen

Ein Growth Mindset bedeutet, dass ein Kind glaubt, seine Fähigkeiten durch Übung und Anstrengung verbessern zu können. Im Gegensatz dazu steht das Fixed Mindset, bei dem ein Kind denkt, Talent sei angeboren und unveränderlich. Forschungen von Carol Dweck an der Stanford University zeigen, dass Kinder mit einem Growth Mindset motivierter lernen und besser mit Rückschlägen umgehen.

Bereits im Kleinkindalter könnt ihr beginnen. Die Studie von Gunderson et al. (2013) zeigt, dass Prozesslob, das Eltern ihren Kindern bereits zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr geben, deren Denkweise fünf Jahre später positiv beeinflusst. Je früher ihr auf prozessorientiertes Lob achtet, desto stärker das Fundament für ein Wachstumsdenken.

Statt „Du bist so schlau" sagt lieber: „Du hast eine tolle Strategie gefunden" oder „Ich sehe, wie sehr du dich angestrengt hast." So lernt euer Kind, dass der Weg zum Erfolg in der eigenen Anstrengung liegt. Achtet auch darauf, konkret zu benennen, was euer Kind gut gemacht hat, zum Beispiel: „Du bist drangeblieben, obwohl es am Anfang schwierig war."

Ja, das belegen mehrere Studien. Die groß angelegte Nature-Studie von Yeager et al. (2019) mit über 12.000 Schülerinnen und Schülern zeigte, dass eine kurze Growth-Mindset-Intervention die Noten leistungsschwächerer Jugendlicher verbesserte. Auch die PISA-2018-Daten bestätigen: Kinder mit einem Growth Mindset schneiden in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften im Schnitt besser ab.

Nein, das ist ein verbreitetes Missverständnis. Carol Dweck selbst betont, dass reines „Du hast dich angestrengt" nicht ausreicht, wenn das Kind dabei nicht weiterkommt. Growth Mindset bedeutet nicht nur Anstrengung, sondern auch neue Strategien ausprobieren und sich Hilfe holen. Lob sollte immer den Lernprozess und die Entwicklung in den Blick nehmen, nicht nur den bloßen Aufwand.

📚 Quellenverzeichnis

  1. Dweck, C. S. (2006): "Mindset: The New Psychology of Success." Random House, New York. Referenziert via Stanford Teaching Commons. https://teachingcommons.stanford.edu/teaching-guides/foundations-course-design/learning-activities/growth-mindset-and-enhanced-learning (Abgerufen am: 20.02.2026)
  2. Mueller, C. M. & Dweck, C. S. (1998): "Praise for Intelligence Can Undermine Children's Motivation and Performance." Journal of Personality and Social Psychology, 75(1), 33-52. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9686450/ (Abgerufen am: 20.02.2026)
  3. Blackwell, L. S., Trzesniewski, K. H. & Dweck, C. S. (2007): "Implicit Theories of Intelligence Predict Achievement Across an Adolescent Transition: A Longitudinal Study and an Intervention." Child Development, 78(1), 246-263. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17328703/ (Abgerufen am: 20.02.2026)
  4. Yeager, D. S. et al. (2019): "A National Experiment Reveals Where a Growth Mindset Improves Achievement." Nature, 573(7774), 364-369. https://www.nature.com/articles/s41586-019-1466-y (Abgerufen am: 20.02.2026)
  5. Gunderson, E. A., Gripshover, S. J., Romero, C., Dweck, C. S., Goldin-Meadow, S. & Levine, S. C. (2013): "Parent Praise to 1-3 Year-Olds Predicts Children's Motivational Frameworks 5 Years Later." Child Development, 84(5), 1526-1541. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23397904/ (Abgerufen am: 20.02.2026)
  6. OECD (2021): "Sky's the Limit: Growth Mindset, Students, and Schools in PISA." OECD Publishing, Paris. https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2021/04/can-a-growth-mindset-help-disadvantaged-students-close-the-gap_96f389c6/20922f0d-en.pdf (Abgerufen am: 20.02.2026)
  7. Larkin, K. & Lowrie, T. (2023): "Teaching Approaches for STEM Integration in Pre- and Primary School: A Systematic Qualitative Literature Review." International Journal of Science and Mathematics Education. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10019419/ (Abgerufen am: 20.02.2026)

Zuletzt aktualisiert: 20.02.2026

Louis – Physiker & Gründer von Modolino

Louis Rittersberger

Physiker & Gründer von Modolino

Physiker (B.Sc., TU Darmstadt) und Gründer von Modolino. Louis entwickelt wissenschaftlich fundierte Experimente, die jede Familie mit einfachen Haushaltsmitteln nachmachen kann.